"Wir. Alle. Zusammen." Der 13. Deutsche Seniorentag in Hannover – eine Nachlese

Bundespräsident Steinmeier bei seiner Eröffnungsansprache. Rechts unten im Bild ist eine Gebärdendolmetscherin eingeblendet.

Quelle: YouTube

Im vergangenen Jahr mussten wie schon 2020 viele größere Veranstaltungen abgesagt werden. Einige wurden umgestaltet - so auch der 13. Deutsche Seniorentag in Hannover (DST) im November 2021. Der als dreitägige Präsenzveranstaltung geplante DST mit Messe, Informationsaustausch und vielen Diskussionsrunden wurde pandemiebedingt innerhalb kürzester Zeit auf ein digitales Format umgestellt.

 

Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier und viele andere Rednerinnen und Redner erklärten sich spontan bereit, an einer der circa 100 digitalen Veranstaltungen mitzuwirken. Viele Besucherinnen und Besucher wären gerne persönlich dabei gewesen. Für diejenigen, für die der Weg nach Hannover zu weit oder zu beschwerlich gewesen wäre, ergab sich so allerdings auch erst die Chance, doch noch dabei sein zu können. Das Programm war vielfältig – und ja es hat gut geklappt mit der Umstellung aufs Digitale:  Über 10.000 (!) Zugriffe auf die Videos im Netz sprechen eine deutliche Sprache! An den anderen Veranstaltungen, die in Form von Zoom-, Webex-Konferenzen oder anderer digitaler Tools durchgeführt wurden und nicht im Internet eingestellt sind, nahmen insgesamt 4.500 Personen teil.

„DIE Alten gibt es nicht“

In seiner Eröffnungsansprache betonte der Bundespräsident: „Die Alten“ gibt es nicht. Altersbilder unterliegen einem starken Wandel. Ich bin überzeugt, wir müssen das Alter und die Alten viel differenzierter betrachten. Wir müssen die Vielfalt des Alters sehen, um den Bedürfnissen und Wünschen der älteren Menschen tatsächlich gerecht werden zu können.“  Schön, das noch einmal aus dem Mund von Frank-Walter Steinmeier bestätigt zu bekommen!

Viele der Veranstaltungen und Diskussionsrunden beschäftigten sich mit Themen, wie Menschen in Deutschland gut älter werden können und was es braucht, um ein selbstbestimmtes, aktives und gesundes Leben im Alter führen zu können. So wurde zum Beispiel darüber diskutiert, ob neue Formen des Wohnungsbaus sich für ein Zusammenleben im Alter eignen oder wie es gelingen kann, auch auf dem Land gute ärztliche Versorgung anzubieten. Wie und auf welche Art können vor allem diejenigen, die auf Hilfe oder Pflege angewiesen sind, diese auch tatsächlich bekommen.

Die Antwort auf die Frage, wie ältere Menschen in einer digitalen Welt mithalten können, zeigte, dass Digitalisierung das Leben im Alter erleichtern und verbessern kann. Viele Menschen nutzen bereits heute digitale Techniken oder Produkte, es gibt aber auch Menschen die nur sehr eingeschränkt oder gar keinen Zugang zu digitalen Technologien haben. Etwa, weil ihnen das Wissen fehlt oder sie sich die Geräte oder einen Internetzugang nicht leisten können. Auch eine persönliche Assistenz ist manchmal notwendig, um die Bedienung der Geräte zu übernehmen.

Im Achten Altersbericht werden Vorschläge gemacht, wie man die Vorteile der Digitalisierung nutzen und ihre Herausforderungen meistern kann. Vor allem zeigt der Bericht auf, dass Digitalisierung gestaltet werden kann und auch gestaltet werden muss. Hierzu bedarf es nicht nur der Politik, sondern vieler Akteure und eines breiten gesellschaftlichen Austausches darüber, wie wir in einem digitalen Zeitalter im Alter leben wollen.

Digitale Spaltung der Gesellschaft vermeiden – Veranstaltung zum Achten Altersbericht

Der Vorsitzende der Achten Altersberichtkommission, Prof. Andreas Kruse, appellierte, eine digitale Spaltung der Gesellschaft zu vermeiden bzw. nicht zu verstärken. Man müsse sich fragen, ob durch die Digitalisierung die soziale Ungleichheit in der Gruppe der älteren Menschen vertieft werde oder ob sie vielmehr dazu beitragen könne, die soziale Ungleichheit in verschiedenen Bereichen zu reduzieren, zum Beispiel in der Telemedizin oder der Telepflege, da mehr Haushalte erreicht werden können, weniger mobile Menschen oder auch Menschen auf dem Land besseren Zugang zu gesundheitlicher Versorgung bekommen könnten.

Er vertrat die Auffassung, dass die Ausstattung von Haushalten mit der technischen Grundausstattung W-LAN, Internet und entsprechende Endgeräte so etwas wie ein Grundrecht darstellen. Alle diejenigen, die sich das nicht leisten könnten, müssten Steuer finanziert unterstützt werden. Es dürfe nicht sein, dass Menschen allein aufgrund eines geringeren Einkommens nicht in der Lage sind, eine digitale Grundversorgung in ihrer Wohnung zu haben und diese zu nutzen, obwohl sie es wollen.

Zusätzlich müssen Ältere die Möglichkeit haben, sich erfolgreich mit neuen Technologien auseinandersetzen und deren souveräne Bedienung erlernen zu können. Damit dies gelingt, sind differenzierte Bildungskonzepte bzw. Bildungsansätze erforderlich. Das Projekt DigiBos in Rheinland-Pfalz möchte genau das erreichen.

Helga Handke ist Digitalbotschafterin in dem Projekt: „Helga hilft“ heißt eine YouTube Serie, in der sie leicht verständlich älteren Menschen beim Einstig in die digitale Welt hilft. Meistens geht sie auch zu den Menschen nach Hause. „Diese entspannte Atmosphäre ist sehr hilfreich, um die analoge und die digitale Welt zu verbinden“, sagte sie. Sie möchte Brücken schlagen zu dem, was den Menschen vertraut ist und ihnen die Vorteile der modernen Technik zeigen. Als Beispiel nannte sie das Sortieren von Bildern und das Anlegen von Fotoalben.

Kommunen bringen sich ein – gutes Beispiel Hannover

Eine Forderung im Achten Altersbericht lautet, dass sich Kommunen stärker als bislang als Akteur der Digitalisierung begreifen sollten und die Digitalisierung zum Nutzen aller ihrer Bürgerinnen und Bürger mit eigenen Strategien vorantreiben sollten.

Der Fachbereich Senioren der Landeshauptstadt Hannover bündelt spezielle Leistungen der Stadt für Seniorinnen und Senioren und soll die verschiedenen Interessen und Lebenssituationen älterer Menschen erfassen und berücksichtigen helfen. Er beschäftigt sich unter anderem mit Digitalisierung, Einsamkeit im Alter, Demenz und digital unterstütztem Wohnen. Dazu hat die Stadt Hannover Musterwohnungen und eine Beratungsstelle eingerichtet wo sich Interessierte darüber informieren können, wie digitale Technik dazu beitragen kann, so lange wie möglich selbstbestimmt zuhause leben zu können (zum Beispiel mit smarter Lichtsteuerung, Herdabschaltung, Sturzsystemen und anderen Möglichkeiten).

Safety first

In einer anderen Veranstaltung erfuhren die Zuschauerinnen und Zuschauer, wie sie sich sicherer in der digitalen Welt bewegen können. Sie erhielten Tipps, wie sie sich sichere Passwörter zum Schutz ihrer Onlinekonten erstellen und wie sie gefälschte E-Mails erkennen können.

Digitale Teilhabe als gesellschaftliche Teilhabe – gegen soziale Isolation im Alter

Malteser und Bundesseniorenministerium diskutierten online mit älteren Menschen auf dem Digitalen 13. Deutschen Seniorentag unter dem Titel „Einsamkeit im Alter: Vorbeugen und das Miteinander fördern“. Dabei stand vor allem die Enttabuisierung des Themas im Fokus und Fragen wie: Welche Angebote haben Erfolg? Wie kann die Politik helfen?

Digitale Medien können ein nützliches Mittel für Selbstständigkeit und Gemeinschaft sein – gerade dann, wenn die Mobilität oder soziale Kontakte weniger werden.
Die aktuell vom Bundesseniorenministerium geförderten Projekte „Miteinander –Füreinander“ des Malteser Hilfsdienstes und das ESF-Programm „Stärkung der Teilhabe Älterer“ haben zum Ziel, der Einsamkeit und sozialen Isolation im Alter entschlossen entgegenzutreten und dieser vorzubeugen.

So betonte Dr. Sven-Olaf Obst, Unterabteilungsleiter im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), dass es gerade einer älter werdenden Gesellschaft nicht egal sein darf, wenn Menschen einsam und isoliert sind: “Einsamkeit kann jeden von uns treffen, aber oft sind es ältere Menschen, die isoliert und auf sich allein gestellt sind. Ihnen fällt es schwer, von sich aus Wege aus der Einsamkeit zu finden. Wir als Bundesseniorenministerium setzen uns dafür ein, dass es Angebote für die Teilhabe älterer Menschen gibt. Am besten kann man Einsamkeit vor Ort in den Kommunen begegnen. Deshalb fördern wir vielfältige Initiativen und Programme, wie die Mehrgenerationenhäuser, Projekte zur Stärkung der sozialen Teilhabe von Menschen ab 60 Jahren oder die Telefonseelsorge. Diese Angebote werden wir in den kommenden Jahren weiterführen und nach Möglichkeit ausbauen.“

„Wir.Alle.Zusammen“ – Die Hannoversche Erklärung

„Wir.Alle.Zusammen“, so lautete das Motto des 13. Seniorentages in Hannover. Unter diesem Motto hat die BAGSO gemeinsam mit ihren 125 Mitgliedsverbänden eine Erklärung im Namen der älteren Generationen veröffentlicht. Die Hannoversche Erklärung versteht sich als Appell und als Selbstverpflichtung der älteren Generationen, sich mitverantwortlich an der Lösung der anstehenden gesellschaftlichen Aufgaben zu beteiligen. Sie beschreibt die wichtige Rolle der Älteren für Wohlstand und sozialen Zusammenhalt und nimmt die zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen in den Blick.

 

Steffen Krach, Regionspräsident der Region Hannover, Juliane Seifert, Staatssekretärin im BMFSFJ, Franz Müntefering, BAGSO-Vorsitzender und Belit Onay, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover bei der Eröffnung des Deutschen Seniorentages (v.l.n.r.)

Links zu weiteren Veranstaltungen/Aktionen des Digitalen 13. DST in Hannover

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