Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Alter – Erkenntnisse und Impulse aus dem Neunten Altersbericht der Bundesregierung

eine Frau steht auf einer Bühne und spricht zum Publikum

Homaira Mansury begrüßt die Anwesenden

Ältere LSBTI*-Personen erfahren oft Diskriminierung und Ausgrenzung, die ihre Lebenserfahrungen und ihr Selbstverständnis prägen. Auf der Fachtagung im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) zum Neunten Altersbericht der Bundesregierung wurden unterschiedliche Aspekte zur Situation von älteren LSBTI*-Personen beleuchtet. Die Fachtagung fand am 12. Juni in Kooperation mit der Volkshochschule Köln statt und wurde von der Geschäftsstelle für die Altersberichte der Bundesregierung durchgeführt.

Nach der Begrüßung im FORUM Volkshochschule im Museum am Neumarkt in Köln durch Homaira Mansury, hieß auch Paloma Miersch vom BMBFSFJ die Gäste willkommen. Sie betonte, dass queere Menschen in Deutschland nicht nur dem alltäglichen Ageismus ausgesetzt sind, also einer ungerechtfertigten, ungleichen Behandlung und Beurteilung aufgrund ihres höheren Alters. Sie seien sehr viel stärker als andere ältere Menschen Diskriminierungen ausgesetzt und haben geringere Teilhabechancen. Sophie Koch, Beauftragte für Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt der Bundesregierung, sprach per Videobotschaft ein zweites Grußwort. Sie plädierte für gute Rahmenbedingungen und eine offene Willkommenskultur für queere Menschen um ihnen ein gutes Altwerden in Deutschland zu ermöglichen.

Handlungsempfehlungen für die Politik

Prof. Dr. Ralf Lottmann von der Hochschule Magdeburg-Stendal, Mitglied der Neunten Altersberichtskommission, berichtete über den Stand der diversitätssensiblen Langzeitpflege und stellte zentrale Botschaften des Neunten Altersberichts zur Situation von älteren LSBTI*-Personen in Deutschland vor.

Er benannte folgende wichtige Handlungsempfehlungen:

  • Ausweitung der Forschung zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Alter
  • Verstetigung diversitätssensibler Regeldienste der Altenhilfe und Altenhilfestrukturen. Einrichtungen des Gesundheitswesens und der offenen Altenhilfe sollten eine offene Willkommenskultur pflegen und Maßnahmen des Diversity-Managements umsetzen.
  • Stärkung der Sichtbarkeit älterer LSBTI*-Personen in den Communities
  • Schaffung gesetzlicher Regelungen im Hinblick auf nicht-verwandschaftliche Beziehungen als Unterstützungsressource in einer älter werdenden pluralen Gesellschaft
  • Rehabilitation der Betroffenen durch den ehemaligen § 175 Strafgesetzbuch (StGB)

Anschießend gaben sechs Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Verbände der LSBTI*-Community ihr Statement zum Neunten Altersbericht ab und diskutierten darüber.

Am Nachmittag fanden drei Symposien statt:
In dem Symposium “Soziale Einbindung und offene diversitätssensible Altenhilfe” diskutierten die Teilnehmenden, wie sich Institutionen und Organisationen sensibel und inklusiv für ältere LSBTI*I*Q Personen aufstellen können, welche Grundlagen es dafür braucht und wie eine transparente  Willkommenskultur hergestellt werden kann.

Im zweiten Symposium „Diversitätssensible Langzeitpflege“ wurden zunächst der aktuelle Forschungsstand sowie Initiativen und Zertifikate im Bereich diversitätssensibler Pflege in Deutschland und der Europäischen Union vorgestellt. Im Anschluss diskutierten Hannah und Judith Burgmeier vom Pflegedienst „vielfältig. GmbH“ darüber, wie sich diversitätssensible Pflege konkret in der Praxis umsetzen lässt.

Nach einem Impuls von Prof. Dr. Eva-Marie Kessler zu Altersdiskriminierung und Ageismus beichtete die Historikerin Dr. Kirsten Plötz in einem dritten Symposium eindrücklich über die Situation älterer lesbischer Frauen und deren diskriminierenden Erfahrungen, u. a. durch einen Sorgerechtsentzug nach Scheidung.

Weitere Informationen

Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen der Veranstaltungsreihe zum Neunten Altersbericht erhalten Sie auf www.neunter-altersbericht.de. Dort können Sie sich auch für die kommenden kostenlosen Veranstaltungen anmelden. Über die Website können Sie außerdem den Neunten Altersbericht der Bundesregierung und die zusammenfassende Broschüre herunterladen oder in gedruckter Form bestellen.

Bei Fragen zum Neunten Altersbericht der Bundesregierung oder zur Veranstaltungsreihe können Sie sich an die Geschäftsstelle für die Altersberichte der Bundesregierung wenden: https://www.neunter-altersbericht.de/geschaeftsstelle

 

Fotos: Claudius Baritz/BAFzA

Soziale Netzwerke

Werden Sie Fan und folgen Sie dem Programm Altersbilder!
Netiquette