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Ein älteres Paar strahlt Aktivität und Lebensfreude im Alter aus

Wohin geht die Reise? Eine Bestandsaufnahme mit BISS

Ein Mann steht an einem Rednerpult. Daneben zwei Roll Ups mit informationen für Schwule
Foto: Claudius Baritz / BAFzA

Wie wollen schwule Männer im Alter leben? Was passiert, wenn schwule Männer im Alter pflegebedürftig werden und welche Rolle spielt dabei das Coming Out?

Wohin geht die Reise? Das war eine der zentralen Fragen auf der 4. Jahrestagung der Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS) am 23. und 24. September 2019 in Berlin.

Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden Georg Roth folgten die Grußworte der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Dr. Franziska Giffey und des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller.

Beide betonten in ihren Grußworten wie wichtig es ist, sich für de Anliegen älterer schwuler Menschen einzusetzen und Themen wie Pflege oder Altersarmut von älteren schwulen Menschen in die gesellschaftliche Debatte einzubringen.

Blick von hinten in den vollbestzten Zuschauerraum auf die Bühne
Foto: Claudius Baritz / BAFzA

"Unsere Gesellschaft ist zwar insgesamt offener geworden, aber es gibt sie noch, die alten Vorurteile. Die Folgen von sozialer Ausgrenzung, Anfeindungen in Beruf und Privatleben, körperlicher Gewalt und Stigmatisierung ertragen sie bis heute.", drückte Giffey in ihrem Grußwort aus. "Viele ältere schwule Männer befürchten, im Alter erneut diskriminiert zu werden, wenn sie auf Pflege angewiesen sind." In dem Wohnprojekt "Lebensort Vielfalt" ist diese Furcht unbegründet.

Lebensort Vielfalt

Marcel de Groot, Geschäftsführer des Vereins "Lebensort Vielfalt" stellte seine Einrichtung mit aktuellen und geplanten Wohn- und Pflegeprojekten sowie den Weg von der Idee bis zur Realisierung vor. Auf der Warteliste stehen mittlerweile 400 Interessierte.

Ein Mann mit Mikrofon in der Hand bewegt sich im Zuschauerraum
Foto: Claudius Baritz /BAFzA

Dies war Anlass, mit der Politik über weitere Projekte für die Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen-, Trans-, Inter- (LSBTI) Community zu sprechen. Er betonte, dass es nicht die primäre Aufgabe sei, als soziale Einrichtung Wohnungen zu bauen. Die aktuelle Situation führe jedoch dazu, dass ein Plan für ein weiteres Projekt am Südkreuz eingereicht wurde. Dort sollen 69 Wohnungen, eine Pflegewohngemeinschaft, zwei therapeutische Wohngemeinschaften, Gastronomie und eine Kindertagesstätte für 45 Kinder entstehen.

De Groot ist wie Giffey der Ansicht, dass wir konkrete Beispiele brauchen. Ein konkretes Objekt zum Anschauen kann sowohl Beispiel und Vorbild sein als auch hoffentlich Menschen aus anderen Ländern zur Nachahmung anregen. Abgesehen von der Finanzierung standen auch Fragen wie "Warum braucht man ein schwules Altersheim?" oder "Warum diese Ghettobildung?" im Raum und die Skeptiker mussten überzeugt werden.

Es hat sich gelohnt. Der Lebensort Vielfalt ist in seiner Größe und seiner Vielfältigkeit einmalig in Europa. Er beherbergt sowohl die Schwulenberatung Berlin, die größte Leihbibliothek der queeren Community Deutschlands, einen Veranstaltungsraum "Wilde Oskar", der auch für private Feste gemietet werden kann, als auch 24 Privatwohnungen und eine Wohngemeinschaft für schwule Männer mit Pflegebedarf und Demenz. Das besondere an dieser Pflege-WG ist die Idee, eine Pflegewohngemeinschaft in ein Wohnhaus zu integrieren. Dadurch erhalten die zu Pflegenden die Möglichkeit, soziale Teilhabe zu erleben und die Angebote in diesem Hause wahrzunehmen, ohne sich ausgeschlossen zu fühlen.

"Anders Altern"

Ein Mann am Rednerpult
Foto: Claudius Baritz /BAFzA

In diesem Zusammenhang stellte sich das Netzwerk "Anders altern" vor, das sich 2003 aus den Gesprächskreisen "Anders altern" und "mobiler Salon" entwickelt hat. Die Angebote dienen dem Austausch, der Vernetzung und der Information.
Ein weiterer großer Themenschwerpunkt dieser Tagung beschäftigte sich mit dem Thema Coming Out und Pflege. Manche Menschen sind ein Leben lang gezwungen, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Sei es in der Schule, im Job, im Sportverein oder wenn sie auf der Bank einen Kredit beantragen möchten.

Viel schlimmer ist es aber mit dem Coming Out, wenn man älter wird und das Thema Pflege auf die Tagesordnung kommt. Wie sage ich es zum Beispiel, wenn ich nicht von einer Frau gewaschen werden möchte weil ich ein schwuler Mann bin? Wie sage ich es als Transmensch, dass ich oben Frau XX und unten Herr XY bin? Beim Qualitätssiegel "Lebensort Vielfalt" des Netzwerks "Anders Altern" der Schwulenberatung Berlin handelt es sich um ein vom BMFSFJ gefördertes Projekt zur nachhaltigen Implementierung kultursensibler Pflege von LSBTI Personen. Es richtet sich an herkömmliche ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen und soll eine bedarfsgerechte Pflege für die Zielgruppe LSBTI ohne Diskriminierung ermöglichen. Einrichtungen, die sich mit diesem Qualitätssiegel zertifizieren lassen möchten, müssen zuvor festgelegte Kriterien erfüllen.

Wohin geht die Reise?

Fünf Teilnerinnen und Teilnehmer bei einer Podiumsdiskussion, die von einem Mann Moderiert wird.
Foto: Claudius Baritz / BAFzA

Mit seiner politischen Lobbyarbeit möchte BISS die Partizipation von älteren Schwulen stärken. In einem Politischen Speed-Dating hatten Vertreter der demokratischen Bundestagsfraktionen die Möglichkeit darzulegen, in welcher Art und Weise sie sich für die LSBTI Community einsetzen. Es wurde darüber debattiert, die Interessen älterer LSBTI in ein Bund-Länder Programm gegen LSBTI-Gewalt aufzunehmen und die rechtlichen Rahmenbedingungen des Artikel 3 des Grundgesetzes dahingehend zu erweitern, dass auch die sexuelle Identität grundgesetzlich vor Diskriminierung geschützt wird. Das Verbot "geschlechtszuweisender" Operationen, ohne dass eine medizinische Notwendigkeit oder die Zustimmung der Betroffenen vorliegt und das Verbot von Therapien zur angeblichen "Heilung" von Homosexuellen (sogenannte "Konversionstherapien") wurden angeregt diskutiert. Einigkeit herrschte darüber, dass die bisherige Praxis nicht mehr akzeptabel ist und dass mehr Geld für mehr Aufklärung zur Verfügung gestellt werden muss.

eine Gruppe von Menschen schauen in die Kamera
Foto: Claudius Baritz / BAFzA

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