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Ein älteres Paar strahlt Aktivität und Lebensfreude im Alter aus

Das Hohe Alter und die Jugend – Lehrende und Lernende

Portraitfoto von Dr. phil. Sonja Ehret
Foto: Sonja Ehret

Das Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg hat sich mit der Lebenssituation der Generation 85plus befasst und festgestellt: Hochaltrige in Deutschland beschäftigen sich intensiv mit dem Schicksal nachfolgender Generationen. Der weitaus überwiegende Anteil der Befragten gibt beispielsweise an, Freude und Erfüllung in Begegnungen mit anderen Menschen zu finden. Viele haben den Wunsch, etwas von sich an junge Menschen weiterzugeben. Wurden hochaltrige Menschen bislang oft als hilfe- und pflegebedürftig wahrgenommen, so zeigen uns neue Altersbilder von heute: Menschen jenseits des 85. Lebensjahres haben noch viel zu geben.

Dr. phil. Sonja Ehret ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin am Institut für Gerontologie. Sie leitet und koordiniert Forschungsprojekte zu Jung-Alt-Beziehungen, wie z. B. „Echo der Generationen“ und „Intergenerationelles Studieren mit Hochaltrigen“ -Kurzbeschreibung und Handlungsempfehlungen: PDF, 958 KB. In diesen Begegnungen kann die Jugend vieles über die Vorzüge des hohen Alters erfahren - umgekehrt werden alte Menschen durch die Vorzüge der Jugend belebt. Sonja Ehret hat uns erzählt, was das Besondere an diesen Projekten ist, welche Erkenntnisse sie gewonnen hat und wie Menschen auch im hohen Alter noch Teilhabe ermöglicht werden kann:

"„Echo der Generationen“ und „Intergenerationelles Studieren mit Hochaltrigen“

Das hohe Alter ist in Deutschland – wie auch in einigen weiteren europäischen Ländern – gut repräsentiert und wird in den nächsten Jahrzehnten den demographischen Wandel mit prägen. Wenn sehr alte Menschen und junge Menschen sich begegnen und bereichernd miteinander und füreinander interagieren, können sich beide Lebensalter optimal weiter entwickeln. Beide Generationen wecken im jeweils anderen Neugierde und Interesse auf das Leben. Man staunt über die Jugend und ihre Ideen, man staunt über das Alter und seine große seelische Stärke. So sind es vor allem die seelisch-geistigen Bezüge zwischen Jung und Alt, die faszinieren. Menschen, die sich nie begegnet wären, konnten wir in den Projekten zusammen bringen. Entweder gingen die Alten in die Räume der Jugend, also in Schulen, in Fußballvereine, oder die Jungen besuchten ältere Menschen in ihrem Zuhause, in Einrichtungen oder in öffentlichen Räumen. Mehrgenerationenhäuser oder Gemeinschaftszentren waren hierzu sehr gut geeignet. Wichtig waren immer Nähe und die Möglichkeit des Kennenlernens der oder des Anderen. Jung und Alt konnten miteinander sprechen, erzählen und einander zuhören, spielen oder gemeinsam Tätigkeiten ausüben. Es zeigte sich sehr deutlich die Fähigkeitskonzentration der Alten. Die Kompetenzen der Hochaltrigen faszinierten die Jugend.

Intergenerationelle Begegnungen

Bei beiden Generationen wurden elementare Entwicklungsprozesse festgestellt. Da der sehr alte Mensch eine notwendige Form des Menschseins in der Evolution ausmacht, ergänzen sich Jung und Alt in idealer Weise. Insbesondere in der Identitätsentwicklung des jungen Menschen werden durch die Reife  und den Selbstausdruck des alten Menschen, die der junge Mensch in der Begegnung erfährt, Entwicklungsprozesse ausgelöst, die Vernunft sowie Lebenstüchtigkeit betreffen. Moralentwicklung und Selbstregulation sind die großen Gewinne bei den Jungen. Die alten Menschen finden wieder Lebensfreude, weil sie mit ihren Fähigkeiten offenbar von der Gesellschaft gebraucht werden. Junge Menschen erkennen recht schnell, was für einen alten Menschen ein wichtiges Anliegen ist und nehmen sein Anliegen auf. So kann sich auch der Mensch am Lebensende noch verwirklichen und erneuern, also neu auf das Leben hin ausrichten.

Ressourcen der Menschen im hohen Alter

Menschen im hohen Alter verfügen über eine Vielzahl von Ressourcen. Junge Menschen bemerken eine hohe seelische Widerstandskraft. Ein Schüler sah das in seinem Tagebuch so: „Im Gespräch mit der alten Dame merkte man, dass sie das Vergangene nicht mehr interessiert, weil sie genau weiß, es kann nur bergauf gehen mit ihrer Lebensgeschichte. In jungen Jahren der Krieg und jetzt ein tolles Leben mit 10 Enkeln, 10 Urenkeln und dem 11. Urenkel auf dem Weg“ (Realschüler, 14 Jahre).

In der Wissenschaft bestätigt sich eine hohe Fähigkeitskonzentration, die sich im Bereich der Sprache, des Ratgebens, des Weitergebens zeigt. Wer genau zuhört, den alten Menschen anerkennt und sich auf ihn einlässt, der kommt in den Genuss dieser lebensspendenden Hilfe. Diese ist nie machtvoll oder fordernd, sondern ein Ausdruck von Gelassenheit und des Wissens über den Fortgang des Lebens. Ressourcen alter Menschen sind auch in ihrer Erzählkompetenz und in ihren Lebensthemen zu finden.

Im Spiel von Jung und Alt zeigen sich ebenso deutlich die Ressourcen. Ältere Menschen stabilisieren das Geschehen und beruhigen die Jungen. Moralisches Handeln gilt hier als die Kernkompetenz der sehr Alten.

Erkenntnisse

Für Wissenschaft und Gesellschaft erbrachte die Studie neue Erkenntnisse. Es zeigte sich, dass Jung und Alt einander für ihre Entwicklung brauchen, dass sie sich spiegeln im inneren Kind und im inneren alten Menschen. Zudem erkennen wir nach und nach mehr schöne Formen des Dialogs zwischen Jung und Alt. Diese Dialoge werden durch die intergenerationelle Begegnung unterschiedlicher Kulturen in besonderer Weise bereichert.

Verantwortliche in Kommunen und Vereinen sollten sich über die Potenziale und Fähigkeiten sehr alter Menschen bewusst werden und eine Einstellung entwickeln, den alten Menschen und dessen Lebenserfahrung als wichtigen Teil der Gesellschaft begreifen lernen. Ebenso sollten Lehrerinnen und Lehrer an allen Schulen alte Menschen viel mehr noch in Modellprojekte der Schulen einbeziehen, um Wissens- und Erfahrungsweitergabe zu ermöglichen. An erster Stelle sollten jedoch die Familien stehen – gleichzeitig Medien und Politik – die den Wert des alten Menschen in der Familie und darauf aufbauend für die ganze Gesellschaft wieder hochleben lassen. Es muss ein Ruck durch die Gesellschaft gehen, der die sehr alten Menschen in ihrer Kompetenz wieder aufrichtet."

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Generali Hochaltrigenstudie

 

 

Grußwort der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig

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