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Ein älteres Paar strahlt Aktivität und Lebensfreude im Alter aus

Das Alter im Strafvollzug: Interview mit Frau Ellen Albeck

Portrait von Ellen Albeck
Foto: Ellen Albeck


Ellen Albeck startete nach dem Jurastudium 2001 ihre berufliche Karriere in der Justizvollzugsverwaltung und ist eine der wenigen Frauen im Leitungsbereich des Männerstrafvollzuges. Seit 2007 leitet Sie die Justizvollzugsanstalt (JVA) Konstanz mit Außenstelle Singen und zudem seit 2015 die JVA Waldshut-Tiengen.

Auch alte Menschen werden gelegentlich straffällig und mit freiheitsentziehenden Sanktionen bestraft oder befinden sich aufgrund einer langjährigen Haftstrafe in Gefängnissen. Welche besonderen Bedürfnisse haben aber ältere Straftäter und Straftäterinnen und wie kann ein altersgerechter Strafvollzug aussehen? Diesen und weiteren Fragen gehen wir im Interview auf den Grund.


Frau Albeck, die Außenstelle Singen der JVA Konstanz ist seit 1970 in Deutschland das einzige Gefängnis nur für ältere männliche Häftlinge. Warum stößt dieses Konzept des Altenstrafvollzugs national und international auf großes Interesse?


Die demographische Entwicklung macht vor den Gefängnistoren nicht halt. Der Anstieg des Lebensalters bei Inhaftierten weckt natürlich verstärkt das Interesse am Singener Konzept. Viele Einrichtungen im In- und Ausland haben sich Anregungen bei uns geholt und eigene Projekte entwickelt. Allerdings sind wir nach wie vor die einzige Einrichtung, die ausschließlich mit Lebensälteren besetzt ist.


Der steigenden Zahl älterer Strafgefangener steht eine begrenzte Zahl altengerechter Haftplätze gegenüber. Welche Aufnahmekriterien müssen erfüllt sein, um überhaupt in der JVA Singen aufgenommen zu werden?


Da wir ein nach innen offenes Haus sind, müssen die Gefangenen gemeinschaftsfähig sein. Sie dürfen nicht aggressiv oder übergriffig gegen ihre Mitinhaftierten sein, die in der Regel körperlich und/oder geistig eingeschränkt und somit besonders schutzwürdig sind. Darüber hinaus darf keine Eigengefährdung im Sinne einer Suizidgefahr vorliegen. Wert legen wir auch darauf, dass die Angebote des Altenvollzuges von den Inhaftierten genutzt werden, was einer stetigen Motivationsarbeit aller Dienste bedarf, da viele ältere Männer deutliche Rückzugstendenzen aufweisen, denen entgegengewirkt werden muss.

Darüber hinaus sieht der Vollstreckungsplan des Landes Baden-Württemberg rein formell vor, dass der Gefangene das 62. Lebensjahr vollendet haben muss und die zu vollstreckende Freiheitsstrafe über 15 Monaten liegt.


Mit welchen Angeboten unterstützen Sie in Singen die Inhaftierten? Gibt es spezielle auf die Älteren zugeschnittene Bedingungen?


Das nach innen offene Haus mit der ganztägigen Möglichkeit der Nutzung des Hofes zeichnet uns aus. Darüber hinaus bieten wir körperlich und/oder geistig eingeschränkten Gefangenen eine besondere Beschäftigungstherapie mit Anleihen an die klassische Ergotherapie, die an Werktagen ähnlich wie die Arbeit stattfindet und Fähigkeiten erhalten bzw. neu erwecken soll, die ansonsten altersbedingt verloren gingen.
Außerdem bietet Singen besondere Formen der vollzugsöffnenden Maßnahmen, die in Begleitung von Bediensteten Alltagsfertigkeiten erhalten soll, wie Stadteinkauf, Einkehr, Wanderungen etc. Auch die Verwendung von Bargeld im Hause und der hohe Stellenwert, der auf die eigenständige Erledigung täglicher Verrichtungen gelegt wird, soll unseren langstrafigen Gefangenen die Vorbereitung auf die Entlassung erleichtern.


Das Risiko für bestimmte Krankheiten nimmt mit dem Alter zu. Wie wird die medizinische Versorgung der älteren Straftäter in Singen sichergestellt?


Das Krankenrevier ist unter der Woche mit ausgebildetem Fachpersonal besetzt. Unser Anstaltsarzt hält wöchentlich eine Sprechstunde ab und ist in Notfällen erreichbar. Ansonsten ist keine spezielle Versorgung vorgesehen und auch nicht notwendig.


Wie werden die Häftlinge auf ihre Entlassung vorbereitet?


Wie bereits zuvor erwähnt, legen wir in unserem Konzept von Beginn an Wert auf Erhalt der persönlichen Fertigkeiten. Problematisch ist insbesondere das Entlassmanagement für unsere Gefangenen, da die wenigsten altersbedingt noch in selbständige Wohnformen zurückkehren können. In Singen haben wir über die Jahre stabil etwa 30 % Sexualstraftäter und 30 % Täter mit Tötungsdelikten. Deren Vermittlung in betreute Einrichtungen ist erfahrungsgemäß sehr schwierig und stellt den Sozialdienst vor enorme Herausforderungen.


Wird das Vollzugsziel mit den eingeräumten Freiräumen überhaupt noch erreicht?


Was die Gewährung von vollzugsöffnenden Maßnahmen oder die Befürwortung einer vorzeitigen Entlassung angeht, ist der Maßstab in Singen derselbe wie in jeder Vollzugseinrichtung des Landes. Das nach innen offene Haus gleicht lediglich besondere Härten aus, die ältere Gefangene der Natur der Sache nach erleben. Das Behandlungskonzept ist wie beispielsweise im Jugendvollzug auch auf unsere Altersgruppe zugeschnitten, stellt aber nicht per se eine erleichterte Form des Vollzuges dar.


Frau Albeck, vielen Dank für das Interview.

Grußwort der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig

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