Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

Ein älteres Paar strahlt Aktivität und Lebensfreude im Alter aus

Anders leben. Anders altern.

Portrait Carolina Brauckmann und Georg Roth
Landeskoordinationsteam Brauckmann, Roth

In Köln leben rund 25.000 und in Nordrhein-Westfalen rund 230.000 Lesben und Schwule, die 60 Jahre und älter sind. Der Verein
„rubicon e. V." setzt sich unter dem Titel „Anders leben. Anders altern" für deren Belange ein. Carolina Brauckmann und Georg Roth gehören zum Team von „rubicon" und engagieren sich seit vielen Jahren in der „Fachberatung Gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der offenen Seniorenarbeit in NRW" sowie in kommunalen Netzwerken für ältere Lesben und Schwule. Sie kennen die Lebenssituation dieser Bürgerinnen und Bürger und deren Wunsch im gewohnten Lebensumfeld zu bleiben und möglichst selbstbestimmt zu leben.

Die beiden berichten hier über ihre Erfahrungen zur Lebenslage gleichgeschlechtlich orientierter Seniorinnen und Senioren in den Bereichen Wohnen, Pflege, Mitbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe:

„Lesben und Schwule im Alter

Inzwischen prägen Begriffe wie Vielfalt und Partizipation die Altersdebatte. In wieweit ältere Lesben und Schwule Teil dieses neu geforderten solidarischen Miteinanders sein werden, ist nicht zuletzt auch eine Frage des politischen Willens.

Lebenserfahrungen

Lesben und Schwule, die an den Emanzipationsbewegungen der 70er teilgenommen haben, kommen in die Jahre. Viele wohnen in größeren Städten des Landes und blicken auf unterschiedliche Biografien zurück. Rosa von Praunheims legendärer Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ gilt als das Fanal für den Aufbruch vieler, meist jüngerer Männer, sich zu ihrem Schwulsein zu bekennen. Das war 1971 - zwei Jahre nach der Liberalisierung des Paragraphen 175 StGB! Die Kriminalisierung der persönlichen Lebensform und die Stigmatisierung als „warmer Bruder" prägen schwules Leben bis heute und wirken sich aus beim Älterwerden.

Lesbische Frauen politisierten sich im Zuge der Neuen Frauenbewegung. Sie forderten das Recht auf Selbstbestimmung und reihten sich solidarisch ein in den breiten Protest gegen den Paragraphen 218. Vor allem aber ging es ihnen um Sichtbarkeit, denn weibliche Homosexualität war im Gegensatz zur männlichen kein Thema – weder in der Öffentlichkeit, noch im Strafrecht. Der § 175 stellte sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe, zwischen Frauen blieben sie strafrechtlich ohne Konsequenzen. Diese unterschiedliche Bewertung schützte lesbische Frauen vor Verfolgung, doch der Schutz ist auch Ausdruck einer gesellschaftlichen Ungleichbehandlung von Frauen und Männern.

Lebensweisen

Die Mehrheit der jetzt älteren homosexuellen Frauen und Männer lebte zurückgezogen. Man arrangierte sich, nicht wenige flüchteten in Scheinehen und versuchten, Normalität vorzuspielen. Spielt es eine Rolle, ob man geoutet oder nicht geoutet altert? Selbstbewusst zur eigenen Homosexualität zu stehen, kann entlastend sein, muss es aber nicht. Den Nicht-Geouteten gewährt das Doppelleben durchaus auch Schutz und Integration, während für andere der offene Umgang mit der lesbischen bzw. schwulen Identität geradezu eine Lebensbedingung ist. Welcher Weg auch gewählt wird: Die älter werdende lesbische und schwule Generation trifft auf eine Gesellschaft, die das Thema Homosexualität nicht mehr grundsätzlich tabuisiert. Andererseits ist eine akzeptierende Haltung noch längst nicht selbstverständlich.

Lebensorte

Hört man sich unter älteren Lesben und Schwulen um, was für sie von Bedeutung sei, antworten viele übereinstimmend, wichtig sei der regelmäßige Kontakt  zu Gleichgesinnten, mit denen man bzw. frau ein Stück Geschichte teile. Dafür braucht es Begegnungsorte, die für die ältere lesbisch-schwule Generation jedoch fehlen! Andere rücken Themen wie praktische Unterstützung im Alltag in den Vordergrund. Wohnen ist ein Standardthema in vielen Diskussionsrunden, und Pflege wird es dann, wenn die Lebensumstände sich entsprechend verändern. Erste Initiativen für die so genannte Regenbogen-Pflege, für lesbische und schwule Besuchsdienste und spezifische Seniorenberatungen, die sich mit der Lebenswelt von Lesben und Schwulen auskennen, gibt es mittlerweile in einigen wenigen Städten.
Die Dachverbände Lesben und Alter e. V.    und BISS e. V.  setzen sich auf politischer Ebene für ihre Zielgruppen ein, und an der Basis organisieren ehrenamtlich Aktive Gruppen- und Freizeitangebote. Die meisten jedoch leben zurückgezogen entweder allein oder mit ihren Lebensgefährtinnen und -gefährten. Partizipation meint etwas anderes! Es gibt noch viel zu tun."

Dies zeigen uns auch Lesben und Schwule zwischen 60 und 84 Jahren, die im Video „lesbisch.schwul.älter"
zu Wort kommen und über ihre Erfahrungen und Wünsche berichten.

Soziale Netzwerke

Werden Sie Fan und folgen Sie dem Programm Altersbilder!
Netiquette

Facebbok-Icon
Twitter-Icon