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Ein älteres Paar strahlt Aktivität und Lebensfreude im Alter aus

Alt und wehrlos? - Callcenter- Betrug

Portrait des Kölner Kriminalhauptkommissars Joachim Ludwig
Foto: Joachim Ludwig

Sie haben gewonnen! Wer freut sich nicht, dies zu hören. Im Telefondisplay eine Nummer aus einer deutschen Großstadt. Am anderen Ende der Leitung eine vermeintliche Amtsperson, die zum Gewinn eines höheren Geldbetrages oder teuren Autos gratuliert. Die Auszahlung des Gewinns wird allerdings von einer Vorauszahlung für bestimmte Gebühren, Steuern oder sonstige Kosten abhängig gemacht. Und im Nachhinein stellt sich heraus: Nichts an diesem Anruf stimmte. Nicht einmal die Telefonnummer, die mit technischen Hilfsmitteln manipuliert worden ist. Das Bundeskriminalamt stellt fest, dass ältere Frauen und Männer immer öfter Opfer von international agierenden Telefonbetrügerinnen  und –betrügern werden und wirkt dieser Betrugsmasche mit umfangreichen Präventionsmaßnahmen entgegen.

Wir haben mit dem Kölner Kriminalhauptkommissar Joachim Ludwig gesprochen, der seit vielen Jahren gegen diese Art des Betrugs ermittelt und über seine Erfahrungen berichtet.

Gewinnversprechen

“In den vergangenen Jahren haben sich erfolgreich Callcenter im Ausland etabliert, bei denen sich die Anrufer (Callcenter-Agenten) z. B. als Notarin oder Notar vorstellen und zum Gewinn einer größeren Geldsumme oder eines teuren Autos gratulieren. Zum Teil wird die Glaubwürdigkeit noch erhöht mit Unterlagen, die per Post übersandt werden. Im Telefondisplay der Opfer tauchen deutsche Festnetznummern auf, die nicht selten mit denen existierender Notariate übereinstimmen oder aber zumindest eine Ansprechperson in Deutschland vermuten lassen. In jedem Fall wird den Betroffenen mitgeteilt, dass sie zur Abwicklung des Gewinns zunächst einmal Zahlungen, z. B. für anfallende Transportkosten, Zollgebühren oder Steuern leisten müssten, um den Gewinn zu erhalten.

Während sich die seit Jahren bekannte Enkeltrickmasche am Telefon kaum verändert, sind die Callcenter-Anrufe facettenreich und entwickeln sich ständig weiter. Es wird professionelle Software eingesetzt, die sich automatisch durch Adressbestände telefoniert. Wird dann der Hörer abgenommen, übernimmt ein Callcenter-Agent oder eine Agentin das Gespräch. Die Adressbestände werden offenbar sogar gepflegt, um die Opfer mehrfach zu schädigen. So werden Opfer, die zunächst erfolgreich mit falschen Gewinnversprechen zu Zahlungen veranlasst wurden, Monate oder gar Jahre später von vermeintlichen Amtspersonen angerufen. Mal sollen die Opfer nunmehr Geld überweisen, „um die Täter erfolgreich zu überführen und festzunehmen“, mal um Ermittlungen wegen Geldwäsche gegen sich selbst abzuwenden. Dabei werden die Opfer am Telefon durch komplexe Rollenspiele getäuscht und von vermeintlichen Amtspersonen (z. B. von Staatsanwaltschaft oder Polizei) unter Druck gesetzt. Am Anfang sollten die Zahlungen überwiegend über Western Union oder Moneygram geleistet werden, danach auch in Form von U-Cash-Gutscheinen.

Mittlerweile werden die Gelder auch per Post an rekrutierte Finanzagenten geschickt. Die bereits geschädigten Opfer werden mit phantasievollen Lügengeschichten auch noch für Folgetaten missbraucht. Sei es, dass sie Konten für die Täterinnen und Täter einrichten, Gelder empfangen und weiterleiten oder sogar die Beute bei anderen Opfern abholen sollen. So stößt die Polizei bei ihren Ermittlungen zunehmend sogar auf „Täter“ oder „Täterinnen“, die über 80 Jahre alt sind und unwissend als Werkzeug eingesetzt wurden.“

Anrufe durch falsche Polizeibedienstete

"Straftaten durch falsche Polizeibedienstete sind nicht neu. Täter und Tätergruppen sprechen ältere Menschen vor der Haustür an und erzählen von Einbrüchen. Die Opfer sollen überprüfen, ob ihr Schmuck und Geld noch vorhanden sind. Zur Spurensicherung müsse die Wohnung als vermuteter Tatort überprüft werden. Auch hier schafft ein Anruf im Vorfeld, verbunden mit der Ankündigung der Spurensicherung, Vertrauen.
 
Eine relativ neue und aus Tätersicht sehr erfolgreiche Variante ist folgende: Täterinnen und Täter geben sich am Telefon als Beamtinnen oder Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) oder der örtlichen Polizei aus. Dabei nutzen sie technische Möglichkeiten, die im Telefondisplay die Notrufnummer 110 - meist mit einer Ortsvorwahl -, echte Telefonnummern des BKA oder der örtlichen Polizeidienststellen erscheinen lassen. Unter Hinweis auf Einbrüche in der Nachbarschaft, von denen man sicherlich gehört habe, wird vorgegeben, dass man einer Einbrecherbande auf der Spur sei, die auch die Anschrift des Opfers im Visier habe. In mehreren und zum Teil stundenlangen Telefonaten werden die Opfer in die angeblichen Ermittlungen einbezogen. Häufig wird das Gespräch mit „Hier ist die Polizei. Bitte schließen sie Türen und Fenster, es ist ein Notfall“ eingeleitet. Diese Formulierung und der Umstand, dass die Anrufe häufig in den Abendstunden erfolgen, sind geeignet, die Betroffenen zunächst in einen Angstzustand zu versetzen. Das verschafft den Täterinnen und Tätern die notwendige Aufmerksamkeit für die nachfolgenden Telefonate.

Zum Teil werden komplexe Rollenspiele mit „Polizeibediensteten“ und „Angehörigen der Staatsanwaltschaft“ am Telefon durchgespielt. Auch angeblich abgehörte Telefonate vermeintlich osteuropäischer Tätergruppen, in denen die Anschrift des Opfers auftaucht, werden den Opfern vorgespielt. Die Opfer sollen Schmuck und Bargeld im Haus zusammensuchen und z. B. in der Waschmaschine verstecken. Durch die regelmäßigen Telefonate und Einbeziehung in die vermeintlich geheimen Ermittlungen der Polizei wird ein starkes Vertrauensverhältnis geschaffen und eine Bedrohungssituation vorgetäuscht. So können die Opfer davon überzeugt werden, dass die Wertsachen von zuvor avisierten Polizeibediensteten sichergestellt werden. Bei einer weiteren Masche werden die Opfer in die Ermittlungen gegen Bankangestellte, die angeblich Falschgeld verteilen, einbezogen.“

All diese Betrugsfälle zeigen einmal mehr: Die Opfer stehen unter extremem psychischen Druck. Das Umfeld der Opfer und die Rolle von Angehörigen, Nachbarschaft und Banken als potenziell schützende Instanz werden immer bedeutsamer. Seien auch Sie wachsam, wenn Sie von derartigen Situationen erfahren und fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Polizeidienststelle nach.

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